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LWL-RPA Wintergespräch 2023

Qualitätsmanagement in der kommunalen Rechnungsprüfung

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wintergesprächs 2023 auf der Treppe im LWL-Landeshaus.

LWL-Wintergespräch 2023 - Qualitätsmanagement in der kommunalen Rechnungsprüfung

Das Qualitätsmanagement umfasst sämtliche Maßnahmen zur Sicherung und Steigerung der Qualität. Qualität ist die Gesamtheit aller Eigenschaften und Merkmale eines Produktes oder einer Dienstleistung bezüglich seiner Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen. Doch was ist Gegenstand des Qualitätsmanagements in der kommunalen Rechnungsprüfung? Was sind die Maßstäbe für Qualität? Wie kann man Qualität konkret messen? Und mit welchen Maßnahmen kann man Qualität verbessern?

Zur intensiven Erörterung dieser Fragen trafen sich Expert:innen auf Einladung des LWL-Rechnungsprüfungsamtes am 16./17.01.2023 in Münster. Thomas Streffing, Leiter des LWL-Rechnungsprüfungsamtes, begrüßte die Teilnehmenden mit dem Hinweis, dass Qualitätsmanagement ein nie endender Prozess sei. Das LWL-RPA habe in der Vergangenheit viele Ressourcen in den Aufbau eines Qualitätsmanagement-Handbuchs investiert. Trotzdem gebe es aber noch sehr viel zu tun. Insofern freue er sich auf eine Standortbestimmung, für die das Wintergespräch den nötigen Raum und Rahmen biete.

Zunächst gab Dr. Peter Glinder einen aktuellen Überblick zum kommunalen Chancen- und Risikomanagement. Dr. Peter Glinder ist stellvertretender Leiter des Rechnungsprüfungsamts der Landeshauptstadt Stuttgart sowie zusätzlich Leiter der dortigen Zentralen Antikorruptionsstelle. Außerdem ist er Leiter des Bundesarbeitskreises Compliance des IDR. Der promovierte Ökonom und Diplom-Verwaltungswirt (FH) sieht immer noch erhebliche Mängel im Risikomanagement der kommunalen Kernverwaltungen, während öffentliche Unternehmen dort wegen gesetzlicher Vorgaben und der damit verbundenen Haftungsrisiken für das Management in der Regel viel besser aufgestellt seien. Er kam zur Schlussfolgerung: „Ohne konkrete gesetzliche Regelungen zum Risikomanagement für Kommunalverwaltungen verbunden mit entsprechenden Haftungsrisiken für kommunale Entscheidungsträger dürfte sich an dieser Zustandsbeschreibung nicht viel ändern.“

Kerstin Nöh, Prüferin im LWL-Rechnungsprüfungsamt, schilderte den Teilnehmenden, wie sie im LWL-RPA mit Kolleg:innen IKS-Prüfungen konzipiert und sodann in die Praxis umgesetzt hat. Kerstin Nöh ist Diplom-Verwaltungswirtin (FH) und verfügt über IHK-Zertifizierungen sowohl als Prozessmanagerin wie als Beauftragte für das Qualitätsmanagement. Sie verdeutlichte, dass das LWL-RPA ein System entwickelt habe, um die Wirksamkeit von IKS-Elementen in Arbeitsprozessen zu messen. Ihr wesentliches Fazit lautete: „Unsere IKS-Matrix ist universal auf jeden Prozess der Verwaltung anwendbar.“

Wie das Qualitätsmanagement in der Rechnungsprüfung mit dem neuen QM-Handbuch des IDR aufgebaut und optimiert werden kann, zeigte Gerd Eisenhuth auf. Der Volljurist ist seit 2008 Leiter des Rechnungsprüfungsamtes der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Seit 2020 ist er Sprecher des IDR-Bundesarbeitskreises Qualitätsmanagement. Um Prüfungsleistungen der öffentlich-rechtlichen Prüfungseinrichtungen auf entsprechendem Niveau anbieten und in Konkurrenz zu anderen (privatrechtlichen) Prüfungseinrichtungen bestehen zu können, hält er die Einrichtung und Fortentwicklung eines skalierbaren Qualitätsmanagementsystems mit gemeinsamen Basis-Standards für unverzichtbar.

Am Ende des ersten Gesprächstags verdeutlichte Alexander Ehrbar den Beitrag der überörtlichen Prüfung durch die GPA NRW zum Qualitätsmanagement in der kommunalen Rechnungsprüfung. Alexander Ehrbar ist Teamleiter IT-Prüfung und IT-Beratung bei der GPA NRW. Er unterstützt das IDR in den IT-Arbeitskreisen auf Bundes- und NRW-Ebene. Dabei behält er auch ganz besonders die Bedarfe der örtlichen Rechnungsprüfung in NRW im Blick und setzt sich für eine angemessene Ressourcenausstattung ein. Seine Feststellung sieht jedoch (vorerst?) düster aus: „Die kommunale Rechnungsprüfung leidet erheblich unter dem Mangel an Ressourcen zur Aufgabenerfüllung. Ihre Handlungsfähigkeit ist gefährdet.“

Zu Beginn des zweiten Gesprächstags schilderte Matthias Warnecke Ergebnisse, Umsetzungsmaßnahmen und Herausforderungen, die sich aus einer Organisationsuntersuchung im LWL-Rechnungsprüfungsamt im Jahr 2022 ergeben haben. Matthias Warnecke ist seit Mitte 2018 Referatsleiter für Fach- und IT-Prüfungen im LWL-Rechnungsprüfungsamt. Er ist Master of Organizational Management, stellvertretender Leiter des IDR-Arbeitskreises Digitalisierung und IT-Sicherheit sowie als Dozent für IT-Fortbildungen des IDR aktiv. Als fachlicher Projektleiter hat er die Organisationsuntersuchung maßgeblich mitbegleitet und ist nun federführend mit der Umsetzung der Ergebnisse befasst, die sich aus 11 Handlungsempfehlungen ergeben.

„Das RPA der Stadt Leipzig – fit für die Zukunft!?“ Mit dieser Frage weckte Susann Bellmann das Interesse der Teilnehmenden an der Entwicklung eines Großstadt-RPA. Susann Bellmann ist Volljuristin und leitet seit Mai 2020 das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Leipzig. Außerdem ist sie seit Dezember 2022 Mitglied des IDR-Vorstandes. Frau Bellmann hält es für erforderlich, dass sich die kommunale Rechnungsprüfung als Führungsunterstützung versteht und zukunftsorientiert an der Schaffung von Mehrwerten ausgerichtet ist. Hierzu gehörten beispielsweise die Prüfung der Organisation und Wirtschaftlichkeit der Verwaltung, der Betätigung der Stadt Leipzig an Unternehmen sowie die Prüfung der kommunalen Unternehmen, aber auch die begleitende Prüfung bzw. Beratung. Dies setze voraus, sich der internen Prozesse des Rechnungsprüfungsamtes klar zu werden und diese bis hin zum Qualitätsmanagement anzupassen.

Dietmar Leicht, Volljurist und seit 2001 Leiter des LVR-Fachbereichs Rechnungsprüfung, konfrontierte den Teilnehmerkreis sodann mit der Warnung: „Trotz Digitalisierung – ohne qualifiziertes Personal kann es keine wirksame Rechnungsprüfung geben!“ Herr Leicht stellte die These auf, dass es die Trennung zwischen IT-Prüfung und Fachprüfung nicht mehr gebe. Es gehe darum, das Ganze zu sehen. Am Ende seines Vortrags formulierte er als Postulat: „Die Rechnungsprüfung spricht IT!!!“

Schließlich widmete sich Matthias Schürmeier der Frage, ob Prozessmanagement und Standards Voraussetzung effizienter Prüfungsarbeit seien. Matthias Schürmeier ist Diplomverwaltungswirt (FH) und leitet seit September 2015 das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Mannheim. Er machte deutlich, dass das Setzen von einheitlichen Prüfungsstandards („Leitplanken“) eine der wesentlichen Grundlagen für Effektivität und Effizienz in der Prüfungsarbeit sind. Grundlegender Baustein – insbesondere auch als Grundlage für die digitale Transformation - sei dabei die Beschreibung und Visualisierung zumindest der wesentlichen Kern- und Stützprozesse der Prüfung im Rechnungsprüfungsamt.

In der Abschlussrunde hoben die Beteiligten des Wintergesprächs des LWL-Rechnungsprüfungsamtes besonders hervor, dass der Austausch die Herausforderungen an ein effektives und effizientes Qualitätsmanagement deutlich gemacht habe. Gleichzeitig gebe es aber auch keinen Grund und keine Rechtfertigung, verzagt zu sein und „stehen zu bleiben“. Die Anwesenden machten deutlich, das Qualitätsmanagement in der Rechnungsprüfung aktiv mitgestalten zu wollen. Die Standortbestimmung während des Wintergespräch sei ein gutes „Update“ gewesen. In jedem Fall gelte: ANFANGEN!

Process Mining Abschluss des Kooperationsprojektes zwischen LVR, LWL und Fraunhofer-Institut

v.l.n.r.: Thomas Streffing (Leiter LWL-RPA), Giorgi Lomidze (Masterstudent des FIT), Jürgen Kockmann (Leiter LWL-Inklusionsamt Soziale Teilhabe)

Conformance Checking liefert tiefergehende Prozessanalyse

Nach knapp anderthalb Jahren Laufzeit ist das gemeinsame Projekt vom LVR-Fachbereich Rechnungsprüfung, dem LWL-Rechnungsprüfungsamt und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) zum Thema Process Mining erfolgreich abgeschlossen worden. In dem Projekt, welches im Rahmen einer studentischen Masterarbeit realisiert wurde, wurden Prozessdaten von mehr als 56.000 Anträgen auf Eingliederungshilfe maschinell ausgewertet. Die von den beiden Landschaftsverbänden zur Verfügung gestellten Datensätze umfassten dabei insgesamt mehr als 1,7 Millionen Prozessschritte aus einer Zeitspanne von bis zu fünf Jahren.

Ziel des Projekts zum Thema Process Mining war es, quantitative und datenbasierte Einblicke in einen häufig vorkommenden Geschäftsprozess innerhalb der beiden Landschaftsverbände zu gewinnen. Dazu wurden Metainformationen zu den relevanten Prozessschritten wie Aktionsart und –zeitpunkt aus den zugrundliegenden Informationssystemen ANLEI und Doxis (elektronische Einzelfallakte) extrahiert und aufbereitet: Was wurde wann in jedem einzelnen Geschäftsvorfall gemacht? „Anhand dieser Daten ist es möglich, quantitative Aussagen über die in der Realität ablaufenden Prozessabläufe und deren Laufzeiten zu treffen. Somit ist es möglich, zielgerichtet eventuelle Schwachstellen im Prozess zu erkennen und bei Bedarf zu optimieren.“, erklärt Dietmar Leicht, Leiter des LVR-Fachbereichs Rechnungsprüfung.

Fokus des Projekts war das sogenannte Conformance Checking. Hierzu wurde von den Prozessverantwortlichen zunächst ein Soll-Prozess definiert, welcher abbildet, wie der Prozess erwartungsgemäß stattfinden sollte. Im nächsten Schritt wurden dann die Prozess-Echtdaten aus dem zur Verfügung stehenden Datensatz (Ist-Prozess) mit dem Soll-Prozessmodell maschinell abgeglichen. Thomas Streffing, Leiter des LWL-Rechnungsprüfungsamtes: „Durch den Abgleich erkennen wir auf einen Blick, mit welcher Häufigkeit die einzelnen Prozessschritte erwartungsgemäß (grün), verspätet (gelb) oder gar nicht (rot) durchgeführt wurden. Hohe Prozentzahlen im gelben oder roten Bereich lassen auf eventuelle Unzulänglichkeiten im Prozessablauf schließen und sollten näher betrachtet werden.“

Neben dem Conformance Checking lieferte die Prozessanalyse Aussagen über die durchschnittliche Zeitspanne zwischen den einzelnen Prozessschritten. Arbeitsabläufe, welche besonders viel Zeit in Anspruch nehmen und unter Umständen ein Nadelöhr im Prozess darstellen, konnten somit leicht identifiziert werden. Des Weiteren konnten die Ergebnisse des Process Minings zum Zwecke einer Wirkungsanalyse herangezogen werden. Anpassungen im Prozessablauf, welche in der Vergangenheit durchgeführt wurden, konnten durch eine getrennte Analyse des Prozesses jeweils vor und nach der Anpassung auf ihre Wirksamkeit hin untersucht werden. Auf Seiten des LWL wurde auf diese Weise beispielsweise positiv festgestellt, dass die Einführung des neuen Bedarfsermittlungsinstruments BEI_NRW zu einer Optimierung des Antragsprozesses beigetragen hat.

Die in der Masterarbeit dargestellten Ergebnisse werden im Folgenden durch die beiden Landschaftsverbände genauer geprüft. Ziel ist es, anhand der Auswertungen den betrachteten Prozess weiter zu optimieren und Abweichungen zum Soll zu minimieren. Zukünftig sollen die gemachten Erfahrungen genutzt werden, um auch andere Geschäftsprozesse innerhalb der Landschaftsverbände genauer zu betrachten. Die Methode Process Mining ist dafür bereichsunabhängig anwendbar, sofern Prozessdaten in digitaler Form sowie in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stehen.

Kontakt:

Dietmar Leicht 0221 809-3801

Thomas Streffing 0251 591-4489

LWL-RPA Wintergespräch 2022

Digitalisierung in der Rechnungsprüfung

o. R. v.l.n.r.: Dietmar Leicht, Uwe Lezius, Dirk Emmerich, Tim Fritsch
u. R. v.l.n.r: Matthias Warnecke, Thomas Streffing, Dr. Philip Roedig

LWL-Wintergespräch 2022 – Digitalisierung in der Rechnungsprüfung

Die Digitalisierung schreitet mit enormer Geschwindigkeit voran. Dies gilt gerade auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Aber wo steht die kommunale Rechnungsprüfung? In der Warteschlange? Auf dem Abstellgleis? Hat sie konkrete digitale Perspektiven?
Zur intensiven Erörterung dieser Fragen trafen sich Experten auf Einladung des LWL-Rechnungsprüfungsamtes am 17./18.01.2022 in Münster.
Zunächst schilderte Tim Fritsch, wo die kommunale Rechnungsprüfung im Bereich der Digitalisierung aktuell steht. Tim Fritsch ist seit 2015 IT-Revisor im Revisionsamt der Stadt Frankfurt/Main. Er ist zertifizierter Rechnungsprüfer des IDR sowie CISA. Seit 2020 leitet er den IDR-Arbeitskreis Digitalisierung und IT-Sicherheit. Herr Fritsch wies in seinem Eingangsstatement darauf hin, dass auch digitaler Unsinn letztlich Unsinn bleibe. Seine Feststellung: „Stetig wachsende Datenmengen erfordern zunehmend IT-gestützte Tools und Methoden bei Analyse und Prüfung und bedingen wachsende Vernetzung und Weiterbildung in hochkompetenten Teams.“
Anschließend wies Matthias Warnecke auf erhebliche Defizite im Bereich der IT-Fortbildung für Rechnungsprüfer:innen hin. Matthias Warnecke ist seit Mitte 2018 Referatsleiter für Fach- und IT-Prüfungen im LWL-Rechnungsprüfungsamt. Er ist Master of Organizational Management, stellvertretender Leiter des IDR-Arbeitskreises Digitalisierung und IT-Sicherheit sowie als Dozent für IT-Fortbildungen des IDR aktiv. Herr Warnecke verdeutlichte, dass er hier eine wichtige Aufgabe für das IDR sehe. Deshalb werde eine neue Fortbildungsreihe weiterentwickelt, in der Basiswissen im Bereich IT für Führungskräfte und Mitarbeitende vermittelt werden solle. Außerdem müssten Checklisten für einfache IT-Prüfungsmaßnahmen bereitgestellt werden, damit IT-Prüfungen bis zu einem gewissen Grad auch von Fachprüfenden durchgeführt werden könnten.
Dr. Philip Roedig beschäftigte sich mit der Frage, inwieweit Datenschutz als Vorwand benutzt werden kann, um Massendatenanalysen durch die Rechnungsprüfung zu verhindern. Philip Roedig ist promovierter Physiker, CISA und seit 2018 als Datenanalyst und Prüfer im LWL-Rechnungsprüfungsamt tätig. Herr Dr. Roedig zeigte zunächst die bei einer Massendatenanalyse beteiligten Akteure auf (Fachprüfer:innen; Datenanalyst; geprüfte Stelle = Data Owner; IT-Dienstleister). Er verdeutlichte, dass bei der Verarbeitung von mitarbeiterbezogenen Daten keine Zustimmung des Personalrats erforderlich sei. Ein direkter Zugriff auf die Datenbank könne nicht zu unbeabsichtigten Datenmanipulationen führen, wenn die Integrität durch technisch-organisatorische Maßnahmen sichergestellt werde. Durch entsprechende Absicherungsmaßnahmen könne ebenso gewährleistet werden, dass durch den Datenzugriff keine sensiblen Daten freigegeben werden, die nicht für die Prüfung benötigt werden. Schließlich könne durch das Datenbankmanagementsystem sichergestellt werden, dass größere Datenbankabfragen keine Gefahr für die Performance des Produktivsystems darstellen. Außerdem wies er darauf hin, dass bei Massendatenanalysen in besonderem Maße das Verhältnismäßigkeitsprinzip zu beachten sei, der Datenzugriff also zur Durchführung einer zulässigen Prüfung geeignet, erforderlich und angemessen sein müsse.
Der Teilnehmerkreis beschäftigte sich anschließend mit der Thematik der Programmprüfung. Intensiv diskutiert wurde insbesondere die Abgrenzung zwischen der Zulassungsprüfung durch die Gemeindeprüfungsanstalt NRW und der Anwendungsprüfung durch die kommunalen Rechnungsprüfungsämter. Da Herr Ehrbar, Teamleiter IT-Prüfung und IT-Beratung der GPA NRW, zu diesem Tagesordnungspunkt bereits auf der letzten Tagung der IDR-Landesgruppe NRW umfassend informiert hatte und das IDR auch in einem entsprechenden Arbeitskreis der GPA NRW eingebunden ist, fühlten sich die Anwesenden gut informiert.
„Und wer hilft den kleinen Rechnungsprüfungsämtern?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich Thomas Streffing in seinem Impulsreferat zu Beginn des zweiten Gesprächstags. Thomas Streffing ist Volljurist und leitet das LWL-Rechnungsprüfungsamt seit 2005. Als Vorsitzender des IDR-Verwaltungsrats legt er Wert darauf, dass das IDR auch kleinere Rechnungsprüfungsämter bei der Prüfung der IT und der Prüfung mit IT unterstützt. Herr Streffing wies zunächst auf das vom IDR beauftragte und von Rödl & Partner 2018 erstattete „Gutachten zur Optimierung der Prüfung der Informationstechnologie der örtlichen Rechnungsprüfung“ hin. Er stellte dar, welche Entwicklungen (Lichtblicke) es seitdem gegeben habe. So habe das IDR sowohl auf Bundesebene wie auf NRW-Ebene IT-Arbeitskreise eingerichtet. Diese hätten z. B. IDR-Prüfungsleitlinien und –hilfen erarbeitet. Der nächste IDR-Rechnungsprüfertag in Bad Lauterberg sehe einen Vortrag und einen Workshop zum Thema „Massendatenanalysen in Theorie und Praxis“ vor. Dirk Emmerich wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Fachbereich Rechnungsprüfung der Stadt Aachen aufgrund einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung bereits eine Anwendungsprüfung für zahlreiche Kommunen durchführe und insoweit andere Rechnungsprüfungsämter unterstütze.
Dietmar Leicht, Volljurist und seit 2001 Leiter des LVR-Fachbereichs Rechnungsprüfung, konfrontierte den Teilnehmerkreis sodann mit der Warnung: „Wer stehen bleibt, wird abgehängt!“ Herr Leicht wies darauf hin, dass sich auch die kommunale Rechnungsprüfung aus ihrer digitalen Komfortzone herausbewegen müsse und Videokonferenzen insoweit nicht ausreichten, um sich als digital zu bezeichnen. Er wies auf Entwicklungstendenzen im Bereich der künstlichen Intelligenz, auf den Einsatz von Prüf-Bots, die Notwendigkeit der Einführung eines Continuous Auditing, die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie und auf Aspekte der Nachhaltigkeit hin. Diesen Anforderungen müsse sich auch die kommunale Rechnungsprüfung stellen.
„Digitalisierung ist gut. Gesunder Menschenverstand ist besser.“ Diese Einschätzung vertrat Dirk Emmerich, Diplom-Kaufmann und seit 2011 Leiter des Fachbereichs Rechnungsprüfung der Stadt Aachen. Die IT kenne nur zwei Zustände: On/Off. Die Praxis der Rechnungsprüfung sei aber grau, nicht schwarz-weiß. Denn die IT finde (noch) ihre Grenzen, wenn es beispielsweise um Erfahrungswissen, Lernfähigkeit, Auslegungsfragen oder Ermessensentscheidungen gehe. Dies zeige sich etwa bei der Umsetzung einer mehrjährigen risikoorientierten Prüfplanung oder bei der Einschätzung besonders korruptionsgefährdeter Bereiche der Verwaltung inklusive der Beurteilung der Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen.
Uwe Lezius, Rechtsanwalt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Wirtschaftsprüfung, widmete sich der Digitalisierung aus dem Blickwinkel der Wirtschaftsprüfung. „Digitales Arbeiten in der Wirtschaftsprüfung – Fluch und/oder Segen?“ Mit dieser Einstiegsfrage und zahlreichen pointierten Thesen regte Herr Lezius die Teilnehmenden zu einer intensiven Diskussion an. Beispiel: „Das Sammeln von Daten hat mit Information so viel zu tun, wie ein Topf Farbe mit Malerei.“ Oder: „Der Computer denkt nicht – das kann (sollte/muss!!!) der Mensch tun, der vor ihm sitzt.“ Schließlich: „Digitales Arbeiten fordert vor allem eines: Ausbildung, Ausbildung und noch mal Ausbildung!“
In der Abschlussrunde hoben die Beteiligten des Wintergesprächs des LWL-Rechnungsprüfungsamtes besonders hervor, dass der Austausch die Herausforderungen der Digitalisierung deutlich gemacht habe. Gleichzeitig gebe es aber auch keinen Grund, verzagt zu sein und „stehen zu bleiben“. Die Anwesenden machten deutlich, den digitalen Wandel in der Rechnungsprüfung aktiv mitgestalten zu wollen. Die Standortbestimmung während des Wintergespräch sei ein gutes „Update“ gewesen.

Treffen der Rechnungsprüfungsamtsleiter von LWL und LVR Persönlicher Austausch – mit Abstand am besten

Die beiden Rechnungsprüfungsamtsleiter beim Corona-konformen Fototermin: Thomas Streffing (links) vom LWL-RPA, Dietmar Leicht (rechts) vom LVR-RPA.

Persönlicher Austausch – mit Abstand am besten

Zu einem persönlichen Austausch in Fragen der Rechnungsprüfung trafen sich Dietmar Leicht (LVR) und Thomas Streffing (LWL) im LWL-Rechnungsprüfungsamt in Münster. Wichtigstes Thema der RPA-Leiter war der weitere Ausbau der Digitalisierung in den beiden örtlichen Rechnungsprüfungen. Die aktuelle Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut wurde ebenso besprochen wie die Möglichkeiten des Continuous Auditing.

Beide RPA-Leiter stimmten darin überein, die vor der Corona-Krise durchgeführten wechselseitigen Hospitationen wiederaufzunehmen, sobald dies vertretbar erscheint. Auch die Zusammenarbeit der jeweiligen Prüfteams soll weiter forciert werden. Hierzu gehört z. B. ein gemeinsames Vorgehen bei Testatsprüfungen, wo abgestimmte Checklisten und Testatsformulare entwickelt werden könnten.

Am Ende der Besprechung waren beide RPA-Leiter einer Meinung: Ein persönlicher Austausch ist – mit Abstand – am besten.

Beim Praxistag der IDR-Landesgruppe NRW in Gütersloh hielt Julia Nega, Prüferin im LWL-Rechnungsprüfungs- amt, einen Vortrag. Das Rechnungsprüfungs- amt von morgen

Beim Praxistag der IDR-Landesgruppe NRW in Gütersloh hielt Julia Nega, Prüferin im LWL-Rechnungsprüfungsamt, einen Vortrag zum Thema „Das Rechnungsprüfungsamt von mor­gen“. Vor 80 Teilnehmenden aus ganz Nord­rhein-Westfalen erläuterte sie ihre Thesen aus ihrer Masterarbeit im Studiengang Master of Public Admi­nistration an der Universität Kas­sel. Ihre Ausführungen wurden vom Publikum mit großem Interesse aufgenom­men und an­schließend intensiv diskutiert. Ihre Präsenta­tion ermöglichte den Teilnehmenden eine Standortbe­stimmung des eigenen Rechnungs­prüfungsamtes. Hier­bei zeigte sich, dass alle Anwesenden darin überein­stimmten, dass dem Megathema Digitalisierung auch in der kom­munalen Rechnungsprüfung mit sehr viel En­ga­gement begegnet werden muss. Einigkeit bestand unter anderem darin, dass das Anfor­derungsprofil klassischer Rechnungsprü­fer:innen um vertiefte digitale Kompeten­zen erweitert werden muss.

Beim Praxistag der IDR-Landesgruppe NRW in Gütersloh hielt Julia Nega, Prüferin im LWL-Rechnungsprüfungsamt, einen Vortrag.

Vergabeprüfung jetzt mit Zertifikat

Herr Patrick Kötter, LL.M. wurde an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin als "Zertifizierter Vergabemanager" ausgezeichnet.

Münster (lwl).

Das Vergaberecht ist anspruchsvoll und dynamisch, trotz oder in manchen Fällen sogar gerade wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie. Viele Änderungen stehen bevor, das neue Wettbewerbsregister geht in die Umsetzung, die HOAI musste aufgrund einer EuGH-Entscheidung angepasst werden und weitere vergaberechtliche Vorstöße auf EU-Ebene sind zu erwarten.

Insbesondere das Thema Nachhaltigkeit in Bezug auf soziale, umweltbezogene und innovative Aspekte erlangt einen immer größeren Stellenwert bei Vergabeverfahren. Zudem steigen die Anforderungen an das Zuwendungsrecht stetig an.

Im Rahmen der sechs aufeinander aufbauenden Module des zertifizierten Vergabemanagers erhielt Herr Kötter ein umfassendes fachliches und praxistaugliches Wissen für die Vergabe und Prüfung von Bauleistungen und Liefer- und Dienstleistungen. Damit können die zukünftigen Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Auftragsvergabe noch besser gemeistert werden.

Die Rechtsreferendarin mit zwei ihrer Mentoren aus dem Bereich der Sozialhilfe-Prüfung. Wertvolle Erfahrungen...

Die Rechtsreferendarin mit zwei ihrer Mentoren aus dem Bereich der Sozialhilfe-Prüfung

Wertvolle Erfahrungen...

Sechs Wochen als Rechtspraktikantin im LWL-RPA

Die letzten sechs Wochen verbrachte ich als Rechtspraktikantin im LWL-Rechnungsprüfungsamt, um Erfahrungen im Rahmen eines Verwaltungspraktikums sammeln zu können. Durch die besondere Stellung der Rechnungsprüfung innerhalb des LWL konnte ich mir durch das nähere Kennenlernen des Rechnungsprüfungsamts auch gleichzeitig ein besseres Bild von der Organisation des LWL im Gesamten machen. Ich lernte dabei sowohl den LWL als Kommunalverband mit seinen Abteilungen und Aufgabenverteilungen zu verstehen als auch die Funktionen und Abläufe der Rechnungsprüfung im Allgemeinen.

 

Um anfangs erstmal ein Grundverständnis für den Begriff und das Verfahren der Rechnungsprüfung zu erlangen, half mir das Skript zur Einführung in die örtliche Rechnungsprüfung und das nachfolgende Gespräch mit Herrn Streffing, dem Leiter des LWL-Rechnungsprüfungsamts. Außerdem stellten mir die drei Referatsleiter in persönlichen Gesprächen ihre Referate Finanzprüfungen, Fachprüfungen und Querschnittsprüfungen ausführlich vor und beantworteten alle meine verbliebenen Fragen.

 

Meine erste Aufgabe bestand darin, einen Vermerk zur Betätigungsprüfung durch das LWL-Rechnungsprüfungsamt zu schreiben und die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie mögliche Prüfungsgegenstände zu recherchieren. Hintergrund war eine Gesetzesänderung, die die Betätigungsprüfung neuerdings als fakultative Aufgabe der örtlichen Rechnungsprüfung regelt, sodass sie der Rechnungsprüfungsbehörde nicht eigens übertragen werden muss. Es gefiel mir sehr an dieser Aufgabe zu arbeiten, da sie meine juristischen Fachkenntnisse herausforderte und ich gleichzeitig für mich unerforschte Rechtsgebiete kennenlernte. Antworten und Anregungen bekam ich von Herrn Glanemann und Herrn Streffing.

 

In den letzten drei Wochen beschäftigte ich mich hauptsächlich ebenfalls mit einer bisher noch nicht praktizierten Prüfungsart, der Formularprüfung. Zunächst beurteilte ich eine vom Institut der Rechnungsprüfer entworfene Arbeitshilfe zu den grundsätzlichen Gegenständen einer Formularprüfung. Dann hatte ich Gelegenheit diese auf ein neues Antragsformular anzuwenden, das im Bereich der Sozialhilfe verwendet wird. Was mich an dieser Aufgabe begeisterte, war die Praxisnähe. Im letzten Arbeitsschritt konnte ich mich an den Prüfkonzeptionen der Sozialhilfeprüfer und an den Einzelfallakten der entsprechenden Leistung orientieren und so eine Vorstellung davon entwickeln, wie die Planung einer Prüfung ablaufen könnte. Dabei wurde ich von Herrn Schmidt und Herrn Lambrecht unterstützt.

 

Außerdem beschäftigte ich mich mit verschiedenen kleineren Fragestellungen, zu denen ich juristische Stellungnahmen anfertigte, wie z.B. zur Ablieferung von Pflichtexemplaren an diverse Bibliotheken oder zur Funktionsnachfolge beim Wechsel der funktionalen Zuständigkeit im Bereich der Eingliederungshilfe.

 

Während meiner Zeit im Rechnungsprüfungsamt hatte ich Gelegenheit an Referatsbesprechungen und an einem Abschlussgespräch teilzunehmen. Es gefiel mir sehr, auch ein paar Einblicke in das praktische Arbeitsleben im Rechnungsprüfungsamt erhalten zu können. Dieses musste sich auch der aktuellen Situation anpassen, weshalb Home-Office und Videokonferenzen momentan naturgemäß dazugehören. Umso mehr begeisterte mich, wie freundlich und offen ich von den Kollegen willkommen geheißen wurde, die mich für meine sechs Wochen Praktikumszeit in ihrer Mitte aufnahmen und denen ich jederzeit alle Fragen stellen konnte.

 

Das Praktikum im LWL-Rechnungsprüfungsamt hat mir einen guten Überblick über die Organisation des LWL verschafft und hat es mir erlaubt, einen ersten Eindruck von der Arbeit in der Verwaltung zu bekommen. Ich konnte mich sowohl juristischen Problemstellungen annehmen als auch den Arbeitsalltag der Prüfer und Prüferinnen kennenlernen.

 

Ich bedanke mich für die Möglichkeit, mein Verwaltungspraktikum beim LWL-Rechnungsprüfungsamt zu absolvieren. Das Praktikum hat mir viel Spaß gemacht, die Kollegen haben mich herzlich empfangen und ich konnte viele wertvolle Erfahrungen sammeln.

 

Cathalena Kleinert